Distressed M&A im Mittelstand — Verkauf und Kauf in Krisenlagen

Von Andreas Fischer, CEO ORBITON Holding GmbH · Fachbeitrag zu M&A in Sanierungssituationen

Nicht jeder M&A-Prozess läuft aus der Position der Stärke. In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Krisen-M&A-Deals im deutschen Mittelstand deutlich gestiegen: hohe Energiepreise, gestiegene Zinskosten, Absatzeinbrüche in Automotive und Bau, Nachfolge-Notlagen ohne Zeit. Wer sein Unternehmen in einer Krise verkaufen muss oder als Investor eine Distressed-Opportunity nutzen will, braucht einen Berater, der beide Seiten des Tisches kennt.

Was ist Distressed M&A?

Als Distressed M&A bezeichnen wir Transaktionen, bei denen mindestens eine der folgenden Bedingungen zutrifft:

Distressed-Deals sind zeitkritisch (oft 4 bis 12 Wochen statt 6 bis 12 Monate), erfordern hohe Verhandlungsdisziplin und benötigen Zugang zu spezialisierten Käufergruppen: Turnaround-Investoren, Distressed-PE-Fonds, Industrie-Übernehmer mit Sanierungserfahrung.

Sell-Side: Distressed-Verkauf für Krisenmittelständler

Warum ein Distressed-Verkauf besser ist als die Insolvenz

In der Krise überlegt jeder Gesellschafter: Verkaufen unter Buchwert oder in die Insolvenz? Die klare Antwort lautet fast immer verkaufen — aus drei Gründen:

  1. Wertrealisierung: Ein aktiver Verkaufsprozess erzielt typisch das 3- bis 5-fache dessen, was in einer regulären Insolvenz aus der Masse erlöst wird.
  2. Haftungsminimierung: Frühzeitige Verkaufsvorbereitung reduziert das Risiko einer persönlichen Haftung des Geschäftsführers wegen Insolvenzverschleppung.
  3. Fortführung: Der Verkauf ermöglicht die Rettung von Arbeitsplätzen, Kundenbeziehungen und Marktposition — die Insolvenz führt oft zur Zerschlagung.

Ablauf eines Distressed-Verkaufsprozesses

  1. Woche 1–2: Kurzbewertung, IDW-S6-Grobcheck, Sanierungsfähigkeitsindikation, Ansprache-Longlist.
  2. Woche 3–4: Blind-Teaser an 30 bis 60 spezialisierte Distressed-Käufer, NDAs, erste Term-Sheets.
  3. Woche 5–6: Data-Room-Öffnung für Top-3-Käufer, indikative Gebote, LOI-Verhandlung.
  4. Woche 7–9: Confirmatory Due Diligence, SPA-Verhandlung, Financing-Confirmation.
  5. Woche 10–12: Signing, Closing-Vorbereitungen, Bankstrukturen, Regulatorik.

Buy-Side: Distressed-Kauf für Turnaround-Investoren

Aus der anderen Seite betrachtet: Wer als Industriestratege oder Turnaround-Investor Krisenunternehmen kauft, kann bei richtiger Struktur historisch überdurchschnittliche Renditen erzielen. Typische Merkmale eines guten Distressed-Kaufs:

Asset Deal vs. Share Deal in Distressed-Situationen

In Krisensituationen dominiert der Asset Deal: der Käufer erwirbt einzelne Vermögenspositionen (Maschinen, IP, Kundenverträge, Verbindlichkeiten selektiv), nicht die Anteile. Vorteile für den Käufer:

StaRUG und Insolvenzplan als M&A-Instrumente

Seit 2021 gibt das StaRUG-Verfahren (Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz) Mittelständlern ein außergerichtliches Restrukturierungswerkzeug an die Hand. Für den Distressed-M&A-Prozess relevant:

ORBITON begleitet Distressed-M&A-Prozesse in enger Kooperation mit Sanierungsberatern, StaRUG-erfahrenen Insolvenzrechtlern und spezialisierten Kanzleien im DACH-Raum.

Warum ORBITON bei Distressed-Deals?

1. Zugang zum Distressed-Käufer-Netzwerk

ORBITON pflegt aktive Kontakte zu spezialisierten Turnaround-Investoren, Distressed-PE-Fonds und Industrie-Konsolidierern im DACH-Raum. Für den Sell-Side-Mandanten heißt das: Zugang zu Käufergruppen, die Sanierungs-Cases ernst nehmen — nicht nur Preisverhandlungen.

2. Erfahrung mit zeitkritischen Prozessen

Distressed-Deals werden nicht im Standardtempo abgewickelt. ORBITON ist auf 4- bis 12-Wochen-Prozesse eingerichtet und arbeitet mit standardisierten Templates für Teaser, IM, Data Room und LOI.

3. LUMEN Intelligence Engine für schnelle Bewertung

Die LUMEN Intelligence Engine — ORBITONs KI-gestütztes Analyse-System — beschleunigt die Krisenbewertung erheblich: normalisierte GuV, EBITDA-Bereinigung, Cashflow-Prognose und Sanierungskonzept-Grobcheck in 48 bis 72 Stunden statt 3 Wochen.

4. Neutrale Position zwischen Gesellschafter, Bank und Käufer

ORBITON ist ausschließlich mandantenfinanziert. In Distressed-Konstellationen ist diese Unabhängigkeit besonders wertvoll — Banken und Investoren respektieren einen Berater, der klar auf einer Seite steht und nicht doppelte Rollen einnimmt.

Häufige Fragen

Was kostet ein Distressed-M&A-Prozess?

ORBITON arbeitet mit einer Kombination aus Retainer und Erfolgsvergütung. In Distressed-Situationen ist der Retainer meist reduziert, die Erfolgsvergütung entsprechend höher gestaltet — angemessen zur Risiko-Struktur des Mandats. Konkrete Konditionen im Einzelgespräch.

Wann ist ein Distressed-Verkauf noch möglich?

Ideal: 3 bis 6 Monate vor drohender Zahlungsunfähigkeit. Machbar auch: unter StaRUG-Schutz oder in Schutzschirmverfahren. Grenzwertig: nach Insolvenzeröffnung — dann meist nur noch übertragender Verkauf aus der Masse, mit deutlichem Wertabschlag.

Können Distressed-Verkäufe familienintern sein?

Selten. Distressed-Situationen erfordern meist frisches Eigenkapital und externe Expertise — beides bringt eine familieninterne Nachfolge nicht mit. Eine familieninterne Struktur nach Distressed-Rekapitalisierung mit externem Turnaround-Investor als Mitgesellschafter ist jedoch möglich.

Kontakt für Distressed-M&A

Wenn Sie eine Krisensituation im Unternehmen erkennen oder als Investor eine konkrete Distressed-Opportunity prüfen: melden Sie sich vertraulich und ohne Verpflichtung. Erste Einschätzung im 30-Minuten-Erstgespräch.

ORBITON Holding GmbH · Andreas Fischer, CEO
E-Mail: af@orbiton.de · Telefon: +49 151 46455384

Weiterführende Themen